Seume beschrieben ja die Strecke ab Meaux, wo er nach eigenem Bekunden versehentlich „rechts abbog“, also einen Weg nach Südosten einschlug, den ich so definitiv nicht gegangen bin im Jahr 2024, als ich Seumes Rückweg zwischen Paris und Leipzig erkundete, als öde.

Ja, ein wenig öde ist es tatsächlich.

Meaux liegt an der Marne. Die ersten Kilometer fuhr ich genau den gleichen Weg wie vor zwei Jahren. Doch während ich am Montag noch vereinzelte Leute an einem Badestrand der Marne liegen sah, hatte es vor zwei Jahren an diesem Tag geregnet. Ich konnte mich an einer Straßengabelung sogar noch sehr genau erinnern, das sich eben dort meine Regenjacke angezogen hatte.

Bald wich ich jedoch von der alten Route eben nach Südosten ab und wanderte hoch auf ein Plateau, auf dem ich mehrere Dörfchen durchquerte. Kleine Wäldchen wechselten sich ab mit offenem Feld. Es war hügelig und wellig – das bedeutete bergauf schieben. Aber am 21. September hatte ich nur 25 km zu bewältigen.

Bis Meaux fuhr ich mit einer Regionalbahn. Die Strecke dorthin bin ich 2024 halbwegs korrekt gefahren. Es war für mich in Paris mal wieder etwas verwirrend: keine Anzeige am Bahnhof, an welchem Gleis mein Zug fährt. Beim Versuch eine Fahrkarte zu kaufen, wurde ich immer wieder in den Nahverkehrsbereich geleitet, in dem noch zwei unbenutzte Metro-Tickets lagen.

Die Anzeige im Bahnhof leitete mich zu einem „Bereich P“. Den fand ich eher zufällig, dort wiederum war dann ein Verweis auf das Gleis. Ich musste durch die übliche Absperrung, und die ging auch tatsächlich auf, als ich mein Telefon auf den Lesebereich der Sperre legte. Kurz blinkte es im Telefon auf „Es wurde nichts berechnet/abgebucht“. Seltsam.

Am Zug suchte ich nach Personal, das ich hätte fragen können, damit ich nicht schwarz fahre. Aber niemand war zu sehen. Die Zeit wurde knapp und ich stieg im Fahrradbereich ein. Dort frage ich einen Mitreisenden nach den Modalitäten mit dem Ticket. „Wenn die Sperre aufgegangen ist, ist alles gut“ meinte der. Und auch in Meaux, an der nächsten Sperre, wurde mein Telefon ausgelesen und ich konnte durch. Wieder die Meldung, es sei nichts abgebucht. Seltsam.

Ich kam relativ zeitig am Ziel in La Ferte-sous-Jouarre an. Ich fuhr noch mal in einen kleinen Lebensmittelladen für Nudeln, Sardinen und Obst. Duschen, Kochen, Schreiben, Schlafen.

Heute, am 22.09.2026 hatte ich eine Strecke von 58 km zu machen. Das ging nicht anders, weil ich nicht ohne Weiteres ein Quartier fand.

Aus der Stadt raus musste ich von der Marne wieder fast 3 km bergauf schieben, bis ich oben auf dem Plateau war. Und tatsächlich war es dann etwas öde. Nur alle 3 bis 5 km mal ein paar Häuser, kleine Dörfchen an der Straße, durch die der Verkehr rauschte. Dann alle 10 km große Speicher für Getreide.

Pause nach 23 km in Vieles Maisons. Dort gibt es ein mit hässlichen neuen Fenstern verunstaltetes Schloss und einen großen gartenähnlichen Park, der aber leider erst um 14 h geöffnet wurde.

Obwohl ich nach ca. 5 km noch mal ordentlich Druck auf die Reifen in einer Autowerkstatt machen lassen konnte, war das Fahren heute zäh: oft hakeliger grober Straßenbelag, den ganzen Tag Wind von schräg vorn. Und welliges Gelände. Mit dem Fahrrad sind ja kleine flache Steigungen kein Problem, mit dem Roller jedoch ist bergauf wenig zu machen. So bin ich denn heute 20 km gewandert und nur 38 km gefahren.

Trotzdem war ich froh: der Wind war nur mäßig, angenehme 24 °C und kein Regen. Bei Hitze oder Regen wäre die Strecke die reinste Qual gewesen: Kaum Unterstellmöglichkeiten, keine Bäume an der Straße. Rad- und Fußwege gab es ohnehin nicht.

Abwechslung boten eigentlich nur die Speicher und Silos und zwei imposante Säulen, die an eine der letzten, von Napoleon halbwegs erfolgreich geschlagenen Schlacht um 1814 bei Montmirail erinnern. An einer der Säulen war gegenüber auf der anderen Straßenseite ganz dreist auch ein kleineres Denkmal für in den Kolonialkriegen von 1960 bis 1964 gefallene Franzosen errichtet worden.

Untergekommen bin ich in einem richtigen Schloss in Etoges. Das Zimmer für 140 € war noch eines der billigen, in der Orangerie und nicht im Schloss selbst, wo die Preise bis 500 € pro Nacht gehen. Das Frühstück für 28 € werde ich mir sparen, selbst wenn da Champagner inklusive sein soll. Ich muss ja eh nüchtern bleiben auf dem Roller. Im Restaurant wollte ich nicht reservieren, und prompt bekam ich nichts zu essen. So habe ich denn alle meine Vorräte verzehrt bis auf einen kleinen Rest für das Frühstück morgen auf dem Zimmer. Immerhin gibt es einen Wasserkocher, so dass mein Tee gesichert ist.

Auf einem Stück einer historischen gepflasterten Straße
Bonusmeilen Teil 1 Von Meaux nach Etoges
21. und 22 . September 2026, 83 km
Morgens in La Ferte-sous-Jouarre

Die Napoleonsäule an der Landstraße

Unten: nicht mehr die Kirchen, die Silos sind hier die neuen Landmarken