Heute die letzte offizielle Etappe. 27 km durch Vororte aller Art bis Paris. Hier habe ich mich in Montreuil einquartiert, weil bezahlbar, Quartier mit Nähe zu einer Metrostation.

Gefühlt bin ich den ganzen Tag neben vierspurigen Ausfallstraßen gerollt. Aber es gab Radwege, ab und zu bin ich von de Straße runter in einen Park. Bei einem Bäcker auf halber Strecke habe ich günstig gegessen.

Ansonsten gibt es kaum Aufregendes zu berichten. Für mich vielleicht überraschend: wie heftig sich Dörfliches mit großen Wohnblocks abwechselt. Ab und zu dachte ich: das wars jetzt, mit Vorort. Dann kam wieder ein Stück Wald, eine Pferderennbahn, ein alter Dorfanger. Und es gibt erstaunlich viele Elektrofahrzeuge. Tesla muss hier ordentlich Umsatz gemacht haben. Kann gut sein, dass sich hier Stromer schnell amortisieren, denn die Strompreise in Frankreich sind stark subventioniert. Man macht das sehr geschickt: die staatlichen Energiekonzerne machen im Ergebnis nicht deckender Strompreise fortwährend hohe Verluste, sind jetzt schon krass überschuldet. Der Staat gibt dann einfach neue, Bürgschaften, Kredite oder erlässt mal welche. Hat also nichts mit „billigem Atomstrom“ zu tun. Solarpaneele und Windräder findet man gleichwohl deutlich seltener als in Deutschland. Aber die Elektromobilität scheint weiter fortgeschritten, nicht nur in den großen Städten.

Interessant auch: kurz vor dem Ziel fuhr ich durch ein großes Waldstück, den Bois de Vincennes. Und dort fand ich an mehreren Stellen große Zelte, Planen, Sonnenschirme, mal ein Fahrrad daneben. Ein Stück weiter gingen die Leute Joggen. Offenbar treibt die Wohnungsnot neue Blüten.

Mein Quartier habe ich in einem Wohnblock aus den Siebzigern. Aber alles recht schick und eine Waschmaschine gibt es auch. Diesmal auch eine wirklich ernstzunehmende Kochzeile. Gehe ich raus auf die Straße, fühlt es sich an wie im Wedding, nur noch etwas farbiger.

Jetzt ist erst mal ein paar Tage Kultur- und Sendepause.

Aber am Montag geht es noch ein Stück weiter: mit dem Zug nach Meaux. Von dort fahre ich ca. drei Tage gen Osten bis nach Chalons an Campagne. Das ist sozusagen die Kür.

Als ich 2024 im Mai Seumes Rückweg auf der Etappe Paris-Leipzig fuhr, habe ich mich von Komoot verleiten lassen, schöne Radwege entlang der Kanäle der Marne zu fahren. Seume ist aber definitiv deutlich südlicher mit der Kutsche gefahren, und schon gar nicht auf Treidelwegen der damals noch nicht existierenden Kanäle.

Das will ich gewissermaßen korrigieren, und den Bogen aus dem Mai 2024 durch eine südlicher verlaufende Gerade ersetzen. Seume bog in Meaux nach eigenem Bekunden „rechts“ ab, also nach Süden, um in Chalons en Campagne wieder auf die eigentlich geplante Reiseroute zu stoßen.

Von Chalons werde ich dann mit Regionalzügen bis nach Deutschland fahren. Kann also sein, das ich auf dem Blog hier nichts mehr groß schreiben, denn ab Paris gibt es ja den Reiseberichte aus dem Jahre 2024.

Vielen Dank an meine Leserinnen und Leser!

Auf einer Straße in die Stadt, ganz hinten Hochhäuser, ich glaubte, jetzt gleich in der Innenstadt zu sein, und war noch 12 km entfernt.
Tag 36 Von Quincy -Sous-Senart nach Paris
18. September 2026, 28 km bis km 1.724
Wildes Camping im Stadtwald

Überall wird gebaut in Paris. Und auch in den Vororten.

Unten: es gibt Orte, die üben auf mich eine besondere Faszination aus. Absperrung einer nicht mehr betriebenen Autobahnauffahrt.