Nochmals ein schönes Frühstück, nochmals Bilder und Bücher anschauen, dann auf den Weg. In Piacenza bin ich noch mal ein wenig durch die Innenstadt gekurvt. Aber ich werde ja wiederkommen.
Die Brücke über den Po wollte kaum ein Enden nehmen. Es gilt auch, eine riesige Überflutungsfläche zu überspannen. Dementsprechend liegt auch die Stadt in einiger Entfernung vom Fluss. Und wahrscheinlich wären eine Uferpromenade oder gar eine Flussbadeanstalt nicht von langem Bestand bei dem launigen und gewaltigen Strom.
Bald fuhr ich in reichlicher Entfernung vom Fluss auf einem der sehr hohen Deiche bei strahlender Sonne und leichtem Rückenwind über glatten Asphalt. Vom Deich hat man einen weiten Blick ins Land. Auch auf die benachbarte Autobahn und die Bahnstrecke nach Mailand.
Aber ich wollte so weit als möglich einem authentischen Weg folgen. Und Seume kann nicht auf diesem Deich unterwegs gewesen sein. Also verließ ich den an sich schönen Radweg und den schönen Rückenwind und fuhr dann doch lieber über kleine Landstraßen durch die Dörfer.
In Somaglia wollte ich die erst Pause machen. Eine Bar hatte geöffnet. Ich trat an den Tresen und bestellte drei Kekse und ein Bier. Anderes Essen gab es nicht,dachte ich, aber ich wurd eim Nachgang korrigiert: ich hätte danach fragen sollen. Aber ich kam gar nicht dazu, mich zu setzen, denn sofort nahm ich ein großer stämmiger Mensch in Beschlag, der mich, wie er sagte, schon von seinem Motorrad aus beobachtet hatte. Raphael ist halb Ire, halb Italiener. Leider sprach er im Lärm der Bar recht leise, so dass ich ihn kaum verstand. Auf jeden Fall fand er mein Projekt gut und hat kurzerhand meine Rechnung bezahlt.Herzlichen Dank!
In einem winzigen Dorf, San Martino in Strade, fand ich einen großen geöffneten Obstladen, natürlich von fleißigen Migranten geführt, und deckte mich mit frischem Obst ein. Ich hatte großen Appetit und hielt vergeblich nach Wasser oder Brunnen Ausschau. Während mir der Zahn tropfte, hatte ich aber auch schon Lodi erreicht. Hier hatte ich eine kleine Ferienwohnung gebucht, und zu frischem, endlich gewaschenen Obst gab es dann auch noch frischen schwarzen Tee.
Was mir in Italien auffällt: es gibt keine wirklichen Orte der Stille. Selbst nachts in kleinen Gassen rauschen die Aggregate der Klimaanlagen, selbst wenn keine Musik läuft, ist es überall laut in Cafés und Restaurants. Auf dem Land der allgegenwärtige Verkehrslärm, Pumpen, Traktoren, kaum Vögel.
Man hat hier große Sorgen wegen der Tigermücke, sie überträgt Infektionen und ist im Alltag nicht von der gewöhnlichen Mücke zu unterscheiden. Also schlägt man nach allem, was sich fiepend nähert, greift zu diversen chemischen Mitteln. Ich habe „saures Blut“ und trage abends lange helle Hosen.
Dreht man in Hotels oder anderen Gebäuden in den höheren Etagen das Wasser an, kommt nie kaltes aus dem Hahn. Es ist stets mindestens lauwarm. Anfangs dachte ich, Armaturen seien falsch verbaut. Jetzt denke ich nur noch: wie kriegen die das mit den Legionellen hin?
Bisher sah ich kein einziges Windrad. Solarpaneele trifft man wesentlich seltener an als in Deutschland. Aber die Klimaanlagen müssen Unmengen Energie verbrauchen.
Es gibt wenig Schatten, selten Bäume an den Straßen. Bushaltestellen beschränken sich in der Regel auf ein dürres Schild. Auch in den Städten gibt es große steinerne Plätze mit äußerst spärlichem Grün, kaum Bäumen, nie begrünten Fassaden oder gar Dächern.
Die nahezu ausschließlich „automatisierten“ Tankstellen bieten sehr oft keine Möglichkeit, den Reifendruck zu prüfen oder Luft nachzufüllen. Wasser gibt es auch nicht, Snacks nur an Automaten.
Die auf unseren Dörfern allgegenwärtige Freiwillige Feuerwehr sucht man in Italien vergebens. Aber dafür gibt es ja unzählige Kirchen, in denen man beten kann, dass nichts passiert.
Jetzt, bei der Wärme, sind an sämtlichen Häusern Fensterläden und Jalousien geschlossen, oft komplett am ganzen Haus, so dass ich mich des Öfteren frage, ob derartige Häuser überhaupt noch bewohnt sind.
Abgesehen von komplett verfallenden Höfen in den Feldern, macht Italien bisher auf mich den Eindruck großen Wohlstands, auch in den Städten.
Das Mobilfunknetz in Italien ist offenbar schwächer als in Deutschland. Es gibt oft nur 4G, selbst in Städten.
Aber ansonsten ist es natürlich sehr schön hier 😊

Blick auf Somaligna