Es gibt eine kleine Geschichte zu erzählen: ein wichtiges Teil meiner Ausrüstung hat den Geist aufgegeben. Also bat ich meine Frau, ein Alternativteil via Expresslieferung an meinen Freund Marco zu senden. Das geht für entsprechendes Geld innerhalb von 24 Stunden selbst nach Italien. Am Freitag sollte es da sein. Aber nichts kam an. Die Trackingnummer gab Preis, dass der Bote die Adresse nicht gefunden habe. Die sei falsch angegeben. Marco ruft bei der italienischen Hotline an und erklärt, dass die Adresse ehr wohl richtig sei. Aber immer, wenn er nach dem weiteren Vorgehen fragt, scheitert er daran, dass die Hotline kostenpflichtig ist, und das sein Handyvertrag nicht zulässt. Da wusste er bereits, dass Paketbooten in ganz Italien an Samstagen Garnichts ausliefern. Aber eine Freundin von Collectivo Tiff hatte Beziehungen. Marco ging zu einer DHL-Filiale, wo man ihm immerhin eine kostenlose Hotline-Nummer verriet. Die Beziehungen halfen nicht weiter. Derweil versuchte meine Frau von Deutschland eine Holine zu erreichen bzw. dort klarzustellen, dass die Adresse korrekt ist. Da war es schon 18 h, und in Deutschland arbeitet die Problemlösungsabteilung bei DHL erst am Montagfrüh wieder. So lange gibt es keinerlei Hotline.

Am Samstag hatten wir noch die Hoffnung, dass die Lieferung dennoch ankommt, denn wir hatten ja den fetten Expresszuschlag für 24-Stundelieferung gezahlt. Nicht passierte, auch keine Nachrichten gingen ein.

Heute füh punkt 08.00 h habe ich versucht, die Hotline von DHL anzurufen, die Nummer auf der DHL-Seite wurde mir von Vodafone als nicht erreichbar gemeldet. Also habe ich mein Problem per E-Mail in einem Kontaktformular vorgetragen. Danach parallel einen DHL-Chatbot beglückt. Vorher habe ich rausgekriegt, dass die zehnstellige Trackingnummer, nach der ich immer wieder gefragt wurde, nicht auf dem Einlieferungsbeleg steht, da gibt es nur die Paketnummer, sondern man sie nur findet, wenn man mittels Paketnummer in die Sendungsverfolgung geht. Den Chatbot habe ich so lange traktiert, bis am anderen Ende offenbar ein Mensch war, der meine englisch eingegebenen Beiträge zunächst immer nur auf Italienisch beantwortete. Das Ergebnis dieser Mühen: trotz meiner energischen Proteste kann die Lieferung erst morgen erfolgen. Das schrieb ich Marco, der dann selbst die Sache in die Hand nahm. Er bekam schließlich raus, in welchem Verteilzentrum das Paket liegt, ist dort hingefahren, und hat mir die Sendung gegen 15 h mit dem Auto nach Lodi gebracht.

Der ganze Vorgang ist für mich unglaublich: Ein Paketbote ist zu faul, die Hausnummer zu suchen, er hätte z.B. Nachbarn fragen können. Behauptet stattdessen, die Adresse existiere nicht. Dann wird die Sendung nicht etwa in einer DHL-Station in den Nähe abgegeben, die auch Samstag aufgehabt hätte, sondern sie verschwindet ohne Benachrichtigung zu deren weiterem Schicksal im Nirwana: Auf der Website von DHL gibt es keine Möglichkeit, zu einer Sendung korrigierende oder ergänzende Angaben einzutragen. Usw.

Wie auch immer: meine italienischen Freunde haben mein Problem gelöst. Ein herzliches Dankeschön an Euch auch an dieser Stelle!

Durch diese Verzögerung hatte ich Gelegenheit, Lodi in Ruhe abzusehen. Ich habe gegen alle Gewohnheiten in einer Bar zu Mittag gegessen, viel Zeit recherchierend im Café verbracht, und dabei z.B. rausgekriegt, dass das, was ich für eine Fährverbindung von Sesto Calende nach Locarno hielt, eine gestrichelte Linie auf dem Wasser des Lago Maggiore, in Wirklichkeit eine Provinzgrenze ist. Ich werde also stattdessen Bahn fahren. Schiffe fahren von dort aus nicht. Man könnte für sehr viel Geld höchstens ein privates Boot chartern.

Aber wenigstens bis Seto Calende will ich noch den Roller nehmen, denn bis dahin ist Seume nach eigenem Bekunden gelaufen.

Lodi ist ein kleines Städtchen von ca. 45.000 Einwohnern. Es gibt ein großes Krankenhaus, den obligatorischen, innen sehr düsteren Dom, und vergleichsweise viel Militärobjekte aus alten Zeiten. Ich bin mal kreuz und quer durch die nahezu menschenleeren Gassen gerollert. Nicht saufregendes entdeckt. Viele Länden haben montags geschlossen.

Obwohl es schon nach 15 h war, also ich endlich den Weg Richtung Mailand einschlug, bin ich doch die knapp 10 km recht entspannt gefahren. Ich passierte einen imposanten Friedhof, den ich aus der Ferne für eine Burg hielt, einen mit „Alter Straße“ bezeichneten Hohlweg, auf dem Seume vielleicht lief.

Ich fuhr schließlich gut 10 km durch Vororte von Mailand. Kaufte unterwegs für 2 € eine große Tüte Obst, die ich nach einiger Suche an einem Spielplatz waschen konnte, und fand endlich wieder etwas Moderne.

Das muss erwähnt werden, weil man zuweilen denkt, Italien würde im Mittelalter erstarren. Also habe ich mich über das großzügige Mailand mit mutiger Architektur, breiten Straßen und Radwegen sehr gefreut.

Quartier habe ich in einem pompösen Palast aus der Belle Epoche.

Der düstere Dom von Lodi auf dem Markt
Tag 11 Von Lodi nach Milano
24. August 2026, 38 km bis km 610
Dieser Friedhof gleicht einer Festung. Er steht für die italienische Bestattungskultur. In Deutschland gleichen die Friedhöfe oft kleinen Parks. Hier muss ich zuweilen gemeinerweise an die eine berühmte FB-Seite denken: Gärten des Grauens mit viel Stein.

Futuristische Architektur in Milano

Und nachstehend weitere Beispiele.