Nach einem Frühstück mit viel schwarzem Tee brachen wir auf in die Galerie. Dort sollte ich heute - zum ersten Mal in meinem Leben – ein Portfolioreview machen. Für alle, die das Wort nicht kennen: Fotografen stellen ein oder zwei abgeschlossene fotografische Arbeiten vor und der Reviewer – in diesem Falle ich – verteilt Lob, Kritik, Hinweise in einem Dialog auf Augenhöhe. Bevor das begann, konnte ich meine eigene Arbeit und auch meine Arbeitsweise vorstellen, denn eine stets subjektive Kritik kann der Empfänger auf jeden Fall besser einordnen, wenn er den Blick des Kritikers nachvollziehen kann. Marko hatte zur Illustration des Ganzen mein Buch SEUMES WEG und die schwarze Box meiner Arbeit „312 km – DIE LINIE DURCH DAS LAND“ mitgebracht. In der Galerie steht ein riesiger schwarzer runder Tisch und der war groß genug, das 7 m lange Leporello aus der Box als gefalteten Kreis aufzustellen.
Ich muss ja zugeben, dass ich ein wenig skeptisch war bezüglich der Arbeiten, die mir präsentiert werden. Das Collectivo TIFF, das die Galerie betreibt, hat 20 Mitglieder, ganz überwiegend Amateure. Mir wurden aber Arbeiten präsentiert, die alle ein sehr hohes Niveau hatten. Ich nahm mir für alles sehr viel Zeit und hatte sehr kompetente Gesprächspartner/innen. Man hatte zu meiner Unterstützung eine Künstlerin eingeladen, die einige Zeit in Deutschland studiert hatte, und gelegentlich aushelfen konnte, wenn mein Gegenüber mit seinen Englischkenntnissen am Limit war. Das war eine große Hilfe.
Vier Damen und zwei Herren haben ihre Arbeiten gezeigt, das ging bis nach 17 Uhr. Eine Mittagspause gab es in einem schönen Restaurant am Po, einem Sportclub, dessen Mitglied Marco ist.
Nach diesem anstrengenden Tag bin ich mit Marco und Elisabeth, eine der Fotografinnen, noch in ein Museum für Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts gegangen, in die Galeria d Arte Moderna Ricci Oddi. Das hat sich absolut gelohnt und hat mir zugleich mein völliges Nichtwissen bezüglich der jüngeren Kunst Italiens aufgezeigt.
Am Abend erneute eine Performance mit Christinas Kochkunst und endlosen Gesprächen. Ich habe es genossen. Herzlichen Dank an die beiden!