Von der vierten Etage hatte ich einen schönen Blick in den Morgenhimmel, Sonnenaufgang über dem Bahnhof und der Autobahn in einiger Entfernung. Hier wäre ich gern sitzengeblieben, aber das Quartier war bis 10 zu räumen. Bis zur letzten Minute wartete ich schreibend neben dem gepackten Rucksack, sah dem Blitzen am grauen Regenhimmel zu, die den Sonnenaufgang ablösten, hörte das Quietschen der bremsenden Züge und das Glitschen der Reifen auf der nassen Straße unten.
Als ich um 10 h aufbrach, hatte es tatsächlich aufgehört zu regnen. Ich machte noch eine kleine Runde durch Fidenza, eine typische italienische Kleinstadt, wie sie mir nun schon oft begegnet ist, mit nassen Straßen und wenigen Passanten.
Dann war ich wieder auf der Via Emilia. Der Asphalt war gut und ich hatte sogar etwas Wind von schräg hinten. Auf flachem Gelände machte ich ordentlich Tempo. Noch war auch der Verkehr gering. Von Radwegen auf der ganzen nun folgenden Strecke aber nichts zu sehen. Da ich zum Frühstück nur Brot und Käse aß, machte ich unterwegs an einem Tomatenfeld halt und schlug mir den Bauch voll mit den festen reifen Früchten. Leider waren danach die Schuhe und der Roller etwas schlammig.
Die erste Pause machte ich in einem Café in Fiorenzuola d Arda. Leider gab es nur Süßes. Von der Terrasse floh ich schnell nach drinnen, als ein Gewitter mit Wolkenbruch einsetzte. Der Roller blieb draußen und war danach wieder blitzsauber. Ich saß vielleicht ein Stunde, bis der Regen etwas nachließ. Ich ging, denn ich war der letzte Gast und die Leute fingen demonstrativ an zu putzen.
Als ich weiterfuhr, nieselte es nur noch etwas. Aber dann fing es wieder an zu grollen. Auf freiem Feld im flachen Land ist ein Gewitter kein Spaß. Also machte ich eine weitere Pause. Bis Piacenza hatte ich nur noch 12 km. Ich betrat eine Eisdiele, in der es wohl auch Pizza geben sollte. Leider war das ein Irrtum, so dass ich ein schrecklich süßes Pistazieneis und ein noch süßere Stück Gebäck bestellte. Beider aß ich tapfer auf, man braucht ja Energie.
Endlich klarte es auf, und als ich durch die Industriehallen vor Piacenza rollte, brach die Sonne hervor. Meine Regenjacke war nun viel zu warm, das blinkende Rücklicht am Helm schaltete ich aus. In einer Kaufhalle kaufte ich drei Tafeln Lindt-Schokolade, meine Lieblingssorte für den Alltag, die hier 20% billiger war als in Deutschland. Das war mein Geschenk für Chirstina, von der ich wusste, dass sie Schokoladenfan ist.
Christina und Marco sind jetzt für zwei Nächte in Piacenza meine Gastgeber. Marco ist ein fotografierender Kollege, der hier in Piacenza mit Freunden eine sehr schicke Galerie betreibt. Er hat bereits zweimal in meiner Galerie in Berlin ausgestellt.
Nach Dusche und Tee sind wir gleich mal dorthin gefahren, haben die Räume angesehen und dann noch etwas getrunken mit einige Freuden aus dem Team. Die Räume sind größer als erwartet, und ich werde wohl im Januar 2027 nicht nur meinen „Seume“ ausstellen.
Wir waren noch etwas trinken, und dann mahnte Marco zum Aufbruch: Christina hatte ein wunderbares Abendessen bereitet mit einer ganzen Reihe für Piacenza typischer Gerichte. Es war fantastisch und bald schlief ich im ehemaligen Kinderzimmer der Familie wie ein Stein.

Einsamer Wohnwagen am Ortseingang von Piacenza.