Nach tiefem Schlaf und einem Abend mit Organisationsaufgaben war ich schon früh auf. Ich machte Tee, aß einige Pflaumen und fuhr dann los. Es war noch nicht einmal acht. Eigentlich war mein Plan, von Immensee das Boot nach Zug zu nehmen, wie Seume auch. Aber das Boot wäre erst um 11 h gegangen. Immensee ist ein kleines Dorf, dort gut zwei Stunden totzuschlagen, hätte wenig gebracht. Also nahm ich den schnelleren und kostengünstigeren Zug. Schon eingestiegen stellte ich fest, dass mein Ticket erst ab 09.30 h galt. Aber ich wurde nicht kontrolliert. Schon an der nächsten Station musste ich umsteigen.
Am Bahnsteig fragte ich, ob ich mit meinem Ticket ausnahmsweise auch schon vor 09.30 h fahren könne. Das haben die Herren des bereitstehenden Zugers aber strikt abgelehnt. Also habe ich mir erst mal was zum Frühstück geholt. Da der Bahnhof eine kleine Kaufhalle hatte, habe ich auch Brot, Parmesan, Schokolade und zwei Bananen gekauft. Es war immer noch Zeit, bis die Gültigkeit meines Tickets einsetzt. Beim nächsten Zug nach Zug fragte ich den Jungen Schaffner, ob er eine Ausnahme machen könne. Der war zum Glück nett, und bat mich, ganz hinten im Zug einzusteigen, was ich gerne tat.
So war ich denn bereits kurz nach halb zehn in Zug.
Mein Tagesziel war Zürich, aber es war nicht mal Mittag, und ich hatte nur noch 10 km bis dahin. Leider haben heute, am Montag, alle Museen zu. Das Kunstmuseum und die Photobastei hatte ich ins Auge gefasst. So schlug ich denn noch gut 10 km auf die Etappe auf bis zu einem preiswerten Hotel beim Flughafen.
In Zürich war ich kurz nach 12. Es ging oft bergab auf der Strecke da hin. Also machte ich eine längere Pause im Café Buchmann in einem eher beschaulichen Quartier, ein wenig wie Friedenau. Eine Schüssel mit Cucus und frischem Gemüse, zum Nachtisch Kuchen und grüner Tee.
Leider ist Montag. Alle Museen haben zu. So bin ich denn noch ein wenig an der Seepromenade langgerollert, durch eine Kneipenmeile, die sowieso in Richtung meines Quartiers lag. Dann eine lange Strecke bergauf schiebend. Dabei immer auf der Suche nach einem Fahrradladen mit leistungsfähiger Luftpumpe. Leider haben die passierten auch montags zu.
Zürich wie auch Zug sind Industriestädte. Oder Bürostädte, was heute beinahe identisch ist. Das merkt man vor allem, wenn man einen solchen Ort von der Peripherie betritt und auch wieder Richtung Peripherie verlässt. Im Unterschied zu den kleineren Städten unterhalb des Gotthard, wirkt Zürich „pragmatisch“. Es gibt kein wirklich geschlossenes Ortsbild, ich fühlte mich ein wenig an Dresden erinnert.
In der Nähe des Flughafens, wo ich ein preisgünstiges Hotel fand, steht ein Glasmonster neben dem anderen. Dazwischen vereinzelt Wohnblöcke. Was es an Versorgungseinrichtungen gibt, richtet sich eher an Büromenschen mit Mittagspause oder Appetit auch ein dickeres Auto. Urbanität im Sinne von Aufenthaltsqualität entstand hier nicht.
Bei der Planung meiner nächsten Etappe ist mir heute ein dummer Fehler unterlaufen. Ich wollte in Koblenz, dem nächsten Etappenziel, übernachten. Da bot sich eine günstige Ferienwohnung für 57 € an. Dumm nur, dass ich nachdem sie gebucht war, feststellen musste, dass sie zwar auch am Rhein, aber leider 200 km weiter nördlich liegt. Storno ging nicht wegen des Sonderpreises.

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