Ich bin wieder in Deutschland. Jedenfalls für zwei Tage, bis ich über Basel in mein geliebtes Frankreich gelange.

Morgens dachte ich im Halbtraum: mein Gott, dass die LKWs hier mit so viel speed in die Straße reinbrettern, unglaublich! Na gut, vielleicht ist ja so früh nichts groß los und alle Ampeln sind abgeschaltet. Dann aber kapierte ich: es sind Flugzeuge, die mit offenen Fenstern versuchen, die Antennen von der Dächern zu pflücken. Eins nach dem anderen rauschte auf den Flughafen. Es war kurz nach sechs und offenbar hatten die alle gewartet, bis das Nachtflugverbot endet.

Zum Frühstück aß ich eine trockene Scheibe Nussbrot, dann fuhr ich los, weg von diesem Ort, raus aus diesem Hotel.

Tatsächlich mag ich ja das frühmorgendliche Licht mit einer tief stehenden Sonne, die die Landschaft schön konturiert. Zunächst hatte ich einen Radweg entlang der Glatt. Das ist der Fluss, der dem Züricher Ortsteil Glattbrugg seinen Namen gab. Die Glatt hat man ordentlich geglättet, sie ist nur noch ein eingezwängter weitgehend gerader eingemauerter Kanal. An einer Stelle, mitten im Gewerbegebiet neben dem Flughafen, versucht man auf 200 m ein Stück Renaturierung. Und immer wieder traf ich auf Tafeln, auf denen mit alten Bildern und Karten erklärt wurde, was für ein schöner verzweigter und mäandernder Fluss das früher mal war.

Zahlreiche Menschen auf Rädern rasten mir entgegen, offenbar auf dem Weg zur Arbeit.

In Bülach, nach ca. 12 km, habe ich dann einen Bäcker gefunden, der sogar ordentlichen schwarzen Tee anbot. Zweimal Laugengebäck, einmal mit, einmal ohne Belag, eine Tasse Tee: zack! 20 €. Na gut, als ich draußen saß, entdeckte ich das Schild neben dem Eingang; Fünfsternekonditorei.

Durch eine wellige Landschaft, vorbei am Flughafen, und immer von Flugzeugen begleitet, auf schönen Radwegen gelangte ich nach Eglisau. Dien Ort erwähnt Seume. Und von hier ist er noch mal kurz hoch nach Schaffhausen gelaufen, um sich den Rheinfall anzusehen. Das hatte ich vor einigen Jahren schon mal getan, und da mir doppelt gelaufene Wege zuwider sind, habe ich mir das geklemmt.

Ich überquerte den Rhein am flussabwärts gelegenen Kraftwerk Eglisau-Glattfelden. Das ist in zwischen, gebaut 19020 als deutsch-schweizerisches Gemeinschaftsprojekt, ein Denkmal, produziert aber noch Strom und reguliert des Wasserstand des Rheins mit anderen Staustufen flussabwärts auch. Dann hatte ich mitten in der Pampa mit schlechtem Mobilnetz eine längere Telko, die leider mächtig am Akku meines Telefons saugte.

Im Nächsten Ort, ich war im deutschen Herden angelangt, stürmte ich erst mal den Aldi. 10 € und ich hatte Brot, Gebäck, eine Flasche Wasser, einen Beutel Mandarinen, eine Banane, Dörrobst … unglaublich!

Meine Strecke heuten waren 48,5 km, und die bin ich mit im Durchschnitt 12,5 km/h gereist. Gefahren kann ich nicht sagen, den an vielen kleinen Hügeln habe ich den Roller geschoben. Natürlich gab es dann auch wieder erfrischende Abfahrten mit etwas über 40 km/h.

Heute hatte ich wirklich viel Zeit. Da reichte es sogar für eine kleine Schlummerpause auf einer Bank unter einem Apfelbaum mitten auf dem Feld.

Bei Bad Zurzach bzw. Rheinheim wechselte ich wieder auf das Schweizer Ufer und schnitt so eine große Schlaufe des Rheins ab. Den Rhein sah ich übrigens immer mal wieder zwischen den Bäumen blinken. Aber einen klassischen Uferweg gibt es nur auf einem kurzen Stück. Der Fluss ist hier blaugrün und hat offenbar noch viel mineralische Fracht aus dem Bergen. Badestellen sah ich nirgends.

Interessant sind Beschilderungen, offene Schranken und Zollhäuschen an den Brücken über den Rhein. Nur Zöllner sah ich nirgends. Wollte Dobrindt nicht alle Grenzen zu machen? Liebe Grenzverletzer, hier habt ihr nichts zu befürchten.

In dem Schweizer Dorf Koblenz ging mein Handyakku zur Neige. Also beschloss ich, zum späten Nachmittag noch einen Döner zu essen. Ich hätte stutzen müssen, dass es in dem kleinen Restaurant zwar ein Porträt von Attatürk gab, aber leider keine klassischen Dönerspieß. Ich hatte so viel Hunger wie mein Telefon. Mäßiger Döner und kleine Flasche Wasser: 15 €.

Das Reisen mit Roller macht mir inzwischen wieder deutlich mehr Freude als in den Hügeln der glühenden Toskana. Es ist der gute Kompromiss zwischen Wandern und Fahrrad. Und ca. 50 km pro Tag mit im Durchschnitt etwas über 10 km/h sind eine gute Geschwindigkeit für das Innehalten unterwegs. Dennoch mekr ich abends, das ich den ganzen Tag gestanden habe. Wie beim Wandern auch sind die ersten 10 km des Tages immer etwas trügerisch. Die vergehen wie im Fluge, und man denkt, der Rest des Tages sei dann auch so. Die letzten 5 km des Tages wiederum erfordern Durchhaltewillen. Man motiviert sich dann mit dem Nahen eines schöne Quartieres, dem baldigen Tee, einer Dusche usw.

Aber richtig erschöpft bin ich jetzt abends nicht mehr. Und ich merke wie mir das in jeder Hinsicht gut tut, den ganzen Tag draußen zu sein, den ganzen Tag in Bewegung, den Kopf beschäftigt mit der entspannten Suche nach Bildern, die Beschäftigung mit Alltagsproblem wie Planung, Quartiersuche, Essen beschaffen, Wasservorräte im Auge behalten.

Entlang des Rheins gibt es wirklich schöne Radwege auf beiden Seiten. Und gelandet bin ich heute in Waldshut, einer kleinen mittelalterlichen Stadt, in die ich ohne diese Reise auf Seumes Weg vermutlich nie im Leben gelangt wäre.

Morgen will ich bis nach Basel, werde für zwei Nächte ein AirBnB-Quartier haben. Basel hat an Museen einiges zu bieten, da werde ich einen Ruhetag verbringen.

Morgens am Flughafen Zürich
Tag 19 Von Glattbrugg an den Rhein und weiter nach Waldshut
01. September 2026, 48 km bis km 1.006
Der gestaute Rhein bei Eglisau

Die Altstadt von Eglisau

Ein Renaturierungsversuch beim Flughafen Zürich