AirBnb hat den großen Vorteil, dass man nette Menschen kennenlernt. Diese Erfahrung, die ich oft als Gastgeber mache, konnte ich nunmehr als Gast auch bei Maria machen. Vielen Dank!

Heute früh war ich schon kurz nach 8 auf dem Weg. Es war sonniges Wetter, morgens noch angenehm kühl. Aber den ganzen Tag hatte ich einen beharrlichen Gegenwind, der mir zusammen mit etlichen Hügeln kein leichtes Fortkommen bescherte. Zehn Stunden war ich unterwegs. 66 km habe ich bewältigt, von denen ich 14 – so sagt es mein Telefon – gelaufen bin, weil ich immer wieder bergauf schieben musste.

Aber der Tag war schön, denn ich hatte bisher noch nicht Gelegenheit, das Elsass so eingehend zu betrachten. Auf Reisen in der Vergangenheit hatte ich mal Zwischenstopps in Colmar und Mühlhausen. Aber nie war Zeit, die wunderbare Landschaft, die angenehmen Dörfer und besonders die gepflegten Fachwerkhäuser so eingehend abseits der Autobahnen zu betrachten. Mich überkam eine große Lust, zu malen.

Unterwegs habe ich immer mal wieder Birnen, Pflaumen und Äpfel von den Streuobstwiesen geerntet. So nervig auch die vielen Hügel waren – von oben hatte ich oft schöne Blicke in die Ferne. Ein langer glatter Radweg durch die Felder wurde mit „Römerstraße“ betitelt. Und bei solch alten Straßen gehe ich immer davon aus, dass auch Seume sie benutzt haben könnte. In jedem Fall wird er wohl durch einige der Dörfer gegangen sein, die ich heute durchquerte.

So hübsch auch alles ist – man trifft, ähnlich wie in den neuen Bundesländern Deutschlands, selten auf Menschen, die nicht in Autos sitzen. So wirken all die schönen Orte ein wenig ausgestorben, es sei denn, die Schule ist gerade aus, und Kinder sind auf dem Heimweg.

Aber schöne Begegnungen hatte ich gleichwohl.

In Altkirch aß ich zu Mittag. Als ich nicht gleich verstand, dass die Tische vorm Restaurant alle für Stammgäste reserviert sind, bat ein Herr die Kellnerin, mir einen der Tische zu überlassen und nahm stattdessen im Restaurant Platz. Ich aß Schweinefleisch – bestens zubereitet – mit gegrilltem Gemüse, dazu zwei Flaschen alkoholfreies Bier. Alles wieder zu mitteleuropäischen Preisen.

Gleich am Morgen hatte ich in einer mir bis dato unbekannten Supermarktkette „fresh“ ein großes Stück wunderbaren Käse gekauft. Frischen Brötchen dazu bekam ich in Altkirch. Dieser Supermarkt war offenbar nicht auf ein breites Sortiment, sondern vor allem auf Qualität fokussiert. Am meisten beeindruckte mich die Auslage von Gemüse – unverpackt – über welches fortwährend ein kalter Wasserneben gesprüht wurde.

An einem dörflichen Kulturzentrum bat ich um Wasser und geriet in die Vorbereitung eines dreißigsten Geburtstages. Der Vater des Geburtstagskindes sprach deutsch, der Sohn englisch. Lobend sagte der Vater, auf mein Eingeständnis unzureichender Kenntnisse des Französischen: Du hats nach Trinkwasser gefragt, und du hast es bekommen – was willst du mehr? Ich machte mit meiner „Sofortbildkamera“ zur Belustigung aller ein Familienporträt.

Die interessanteste Begegnung hatte ich jedoch in einem kleinen, ehrenamtlich geführte Museum über die Geschichte des Elsass während des 1. Weltkrieges, und die wechselnde Staatszugehörigkeit seiner Einwohner in den Jahrzehnten davor und danach. Das Museum, im Gebäude einer ehemaligen Spinnerei ist komplett dreisprachig angelegt, hat eine moderne Präsentationsform, und Dominique, einer der Organisatoren, nahm sich richtig viel Zeit, mir noch einiges aus der eigenen Familiengeschichte und über die Entstehung dieses Museums zu erzählen.

Von Belfort selbst habe ich nicht so sehr viel gesehen, denn mein Hotel ist – für mich günstig gelegen – am südlichen Stadtrand.

Blick auf Basel von Westen am Morgen
Tag 22 Von Basel nach Belfort im Elsass
04. September 2026, 66 km bis km 1.132
Ein typisches elsässisches Dorf

Auf der "Römerstraße"

Blechschindeln an einer Fassade