Diesmal war ich auf einen versorgungsschwachen französischen Montag vorbereitet und habe mir Baguettes mit Parmesan gemacht, Eier gekocht.

Morgens ist es jetzt angenehm frisch, so dass es auch Sinn macht, etwas Tee in der Thermoskanne mitzunehmen.

Heute führt der gesamte Weg entlang der Yonne. Die hat ordentlich Wasser. Immer häufiger begegneten mir Vergnügungsboote aller Größen. Die trägen alten Herrschaften hinter den Steuerrädern bedauere ich ein wenig: es kommen hier auf 10 km gewiss fünf Schleusen. Und die zu durchfahren, ist ein Geduldsspiel. Überhaupt wundere ich mich, worin der Reiz bestehen soll, tagelang träge auf dem Fluss zu tuckern, und all die Orte zu verpassen, in denen noch irgendwas passiert.

So bin auch ich heute, die Empfehlungen von Komoot ignorierend, vom Treidelweg abgebogen und habe zugleich eine größere Schlaufe des Flusses abgekürzt. Allerdings fuhr ich dann doch auf einer nicht gering frequentierten Bundesstraße. So kam ich aber wenigstens durch einige Dörfer, fuhr mal über einen Hügel mit etwas Fernsicht, fand unterwegs in Charmony eine Bäckerei.

Leider kann ich in mein Hotel erst um 17 h einchecken. Also habe ich noch eine größere Pause in Joiny gemacht. Das ist eine sehenswerte Fachwerkstadt auf einer Anhöhe bei der Yonne. Obwohl es im Mittelalter einmal heftig gebrannt hat, finden man reich verzierte Fachwerkhäuser in schmalen krummen Gassen .Über allem thront ein Schloss mit großer Kirche. Das Schloss, oder das was von ihm übrig ist, sieht allerdings eher wie ein großes Wohnhaus aus. Zu besichtigen gibt es nichts.

Aber leider war auch in dieser Stadt alles geschlossen. So bin ich denn, um die Zeit totzuschlagen, kreuz und quer durch die Gassen gelaufen. Es gibt erfreulich viele Lädchen mit Kunst und Kunsthandwerk. In einer kleinen Produzentengalerie habe ich geklopft, und mit öffnete eine Künstlerin aus Südkorea, die dort eine Ausstellung im Rahmen einer Residenz hatte.

Wir haben unsere Karten getauscht, aber zu einer längeren Konversation waren mein Französisch und ihr Englisch nicht wirklich geeignet.

Beim Schlendern fand ich dann noch eine offene Fahrradwerkstadt. Vier junge Männer, zwei davon aus Venezuela, waren am Schrauben. Ich bat um etwas Pressluft und schon waren wir im Gespräch, denn einer der Herren sprach recht gut Deutsch. Ich habe noch einige Porträts angefertigt, dann bin ich weiter auf der Suche nach irgendeinem Cafe. Nichts wirklich Einladendes.

Also trat ich die letzten 12 km an, wohl wissend, dass ich immer noch viel zu früh bin. Aber dann habe ich an einen Seitenkanal des Flusses auf einer schattigen Bank das Notebook rausgeholt und etwas geschrieben.

Ich habe in den letzten Tagen übrigens doch noch einige Orte mit Stille gefunden. Das die so rar sind, habe ich wohl schon des Öfteren beklagt. Also: still war es auf den Felder oben auf den Hügeln zwischen Dijon und Auxerre. Still ist es auch zuweilen an den Wegen am Kanal, vor allem morgens.

Am Abend bin ich noch mal runter in die Kneipe des Hotels, die so eine Art Dorfzentrale ist. Ich nahm am Tresen Platz, bestellte in Bier, hatte meine Plastikkamera dabei und das Tagebuch. Irgendwie war ich der weiße Elefant im Raum. Alle guckten immer mal nach mir, aber keiner suchte wirklichen Blickkontakt, geschweige denn ein Gespräch. Nicht mal für irgendeine neugierige Frage reichte es, z.B. für den Klassiker, was es mit meiner Brille auf sich habe. Das fragen die Leute, wenn sie denn mit mir reden, fast immer. Aber es waren so interessante Typen, wirkliche Charakterköpfe, dass der Fotograf in mir rebellisch wurde. Also nahm ich mir ein Herz und bat den interessantesten Kopf um ein Porträt. Seine anfängliche Skepsis schlug in Begeisterung um, als ich ihm das gedruckte Bild gab. Er bestellte sofort ein Glas Wein für mich. Nun durfte ich auch alle anderen Anwesenden fotografieren.


Die Dorfstraße von Charmoy
Tag 32 Von Auxerre nach Saint-Julian-du-Sault
14. September 2026, 46 km bis km 1.561
Das Team des Fahrradladens in Joiny

Blick auf Joiny

Unten: Das Haus mit der Galerie in Joiny