Allmählich hängen mir die Fahrten am Fluss oder Kanal zum Halse raus. Es ist schön, aber auf die Dauer auch eintönig.

Morgens bin ich wieder in schönem Licht kurz nach acht losgefahren. Bei 40 Kilometern könnte ich mittags schon am Ziel sein, denn die flache Strecke fahre ich mit etwas mehr als 12 km/h, ohne dass ich mich groß anstrengen muss. Fahre ich später los, gerate ich in die Hitzephase des frühen Nachmittags. Heute waren es wieder 33 °C.

Nach 16 km Pause auf einer Bank am Fluss. Dann weiter nach Sens, wo ich kurz nach 11 ankam. Von da waren es nur noch 12 km bis zum Tagesziel. Die sind in einer Stunden zu schaffen, aber was will ich nach einem frühen Check-in in einem kleinen Städtchen anfangen?

Also eine gute Stunde in einem Café vertrödeln. Ein Stück Kuchen und eine kleine Flasche Wasser – daran kann man sich nicht ewig festhalten. Es passierte auch nichts wirklich Spannendes auf dem Platz zwischen (geschlossener) Markthalle und Kathedrale. Gut, Leute beobachten. Um diese Zeit sitzen nur Rentner und arbeitslose Migranten in den Cafés. Ich quälte mich durch einige meiner Texte, dann ging ich rüber in die Kathedrale.

Die ist groß und bemerkenswert, denn es ist die erste in Frankreich, die ganz überwiegend nach romanischem Beginn im gotischen Stil errichtet wurde.

Um 13.30 h macht das Museum auf. Also noch mal ein paar Runden durch die Gassen drehen. So konnte ich immerhin meinen Teevorrat mit Assam auffüllen. Am Museum musste ich dann feststellen, dass Dienstag Ruhetag ist.

Wieder an den Fluss und weiterfahren. Pause im Grünen war der Plan, aber alle Bänke standen in der prallen Sonne. Schließlich war ich am Tagesziel angekommen, und beendete die Suche nach einer Bank im Schatten.

Gelandet war ich erneut in einem typischen französischen Provinzhotel. Das Restaurant hatte Ruhetag, also nix mit interessanten Leuten in der Kneipe. Statt dessen noch ein Gang zum Supermarkt, für Tomaten, Obst, Käse, Wasser und ein Bier.

Mein Zimmer war so winzig, dass kein Platz war für einen Tisch und einen Stuhl. Das Bett hatte ein frisches Laken, aber die Zudecke war nicht bezogen. Da ich grundsätzlich nackt schlafe, war das nicht so mein Ding. Kurzerhand habe ich vom anderen Bett im Zimmer das Laken abgezogen und mich damit zugedeckt, denn bei der Wärme war mir ohnehin nicht nach warmer Decke zumute. Heute zum Frühstück dann heißes Wasser zum eigenen Tee. Nach Joghurt, Marmelade und Nutella im Plastikpack stand mein Sinn eher nicht. Also gab es Croissant und ein Stück Baguette mit Butter, fertig.



Sens mit Blick auf die Markthalle
Tag 33 Von Saint-Julian-du-Sault nach Pont-sur-Yonne
15. September 2026, 41 km bis km 1.602
In der Kathedrale von Sens: der Übergang von der Romanik zur Gotik

Der Turm der Kathedrales von Sens

Unten: Ansicht von Pont-sur-Yonne mit dem Rest der im 2. Weltkrieg gesprengten Brücke