Schon um 07.00 h war ich am Start: Interview im RBB Radio 3, dem Kultursender dieser Anstalt. Man kann es hier nachhören oder muss in der Mediathek ein wenig stöbern. Nach dem Frühstück wenigstens mit dem Roller noch eine Runde um den Dom. Der ist noch imposanter als der von Siena. Aber warten wir Mailand ab.
In Modena, wo ich heute nächtige, gibt es auch einen Dom. Den werde ich morgen sehen.
So wie Seume mit der Kutsche, überquerte ich mit dem erstaunlich vollen Regionalzug den Apennin rollend und schauend von Florenz kommend über Prato nach Bologna.So war ich ca. 140 km unterwegs, für die ich mit dem Roller vermutlich 5 Tage gebraucht hätte.
Bologna hatte ich bereits vor vier Jahren auf meiner Wanderung erkundet. Also fuhr ich vom Bahnhof gleich aus der Stadt heraus. Im Schatten waren es um die Mittagszeit vergleichsweise humane 31°C. Ich jedoch fuhr auf der Straße und immer wieder auch in der Sonne. Die Via Emilia, ist eigentlich eine alte Bekannte. Ihr folgte ich 2022 über mehr als 100 km zu Fuß, auf dem Abschnitt südlich von Bologna zum Meer hin. Sie ist auch auf dem Abschnitt nördlich von Bologna eine normal Bundesstraße. Mal mit Leitplanke, mal ohne, Radweg, Fußweg, Bäume, weit verstreuten Gehöften, Fabriken, kleineren Städtchen, aufgelassenen Motels – immer im Wechsel mit offenem Feld und Blick auf die Berge des Apennin.
Viel steht zum Verkauf. Riesige neue Logistikzentren zeugen aber auch von einer gewissen wirtschaftlichen Unverwüstlichkeit.
Im Laufe des Nachmittag stieg die Temperatur ins Unerträgliche. Eine leichte Briese wehte mir entgegen, und der Fahrtwind kühlten nur wenig. Immer wenn ich mich setzte, durchnässte der Schweiß sofort alle Klamotten. Auf dem Roller in Fahrt blies der heiße Luftstrom alles wieder trocken. Mein Wasserverbrauch war enorm. Immer wieder kaufte ich gekühlte Flaschen. Hunger hatte ich kaum. Aber man muss vorsichtig sein: der ungeheure Wasserdurchsatz schwemmt auch Mineralien aus dem Körper. Und der mangelnde Appetit bewahrt nicht vor dem Risiko eines Hungerastes, dem schlagartigen Energieabfall. Klimatisierte Kaufhallen, Bistros oder Cafés werden plötzlich wichtige Oasen. Man kann der Körper ein wenig runterkühlen. Das ist das Gegenteil eine Frosttages, an dem man es auch als angenehm empfindet, von draußen kommend immer mal einen warmen Raum zu betreten, etwa bei einem Spaziergang durch die Stadt. Ich teste gewissermaßen die Folgen des Klimawandels: Kälte im Sommer wird so wichtig wie Wärme im Winter.
Physisch geht es mir aber insgesamt recht gut. Ich bin nicht mehr so erschöpft wie an den ersten Tagen der Reise. Auf den 40 km des heutigen Tages, die ich mit durchschnittlich 10 km/h in fünf Stunden fuhr, waren erst die letzten 5 ernsthaft anstrengend. Eine kleine Blase an der Spitze der mittleren Zehe des rechten Fußes ist abgeheilt. Die war eigentlich ein gutes Zeichen dafür, dass ich die Füße beim Fahren gut abrolle.
Modena ist eine Erholung von Overtourism in Florenz und Siena und unter diesem Aspekt auf jeden Fall eine Empfehlung. Abends ist die Stadt menschenleer. Ich saß auf der Straße vor einem Restaurant mit einigen anderen Gästen. So gut wie niemand ging oder fuhr vorbei.
Einzig ein paar Kuriere aus (vermutlich) Indien fuhren mit E-bikes herum. Denen begegnete ich schon am Stadtrand, wo sie teils abseits liegende Häuser an den Ausfallstraßen in großen migrantischen Communities bewohnen. Je weiter man hier aus einer Stadt rauskommt, auch zwischen den Fabriken entlang der Via Emilia, wird die Hautfarbe der Menschen dunkler. Oder der Eindruck entsteht, weil es die wenigen sind, die ohne Auto unterwegs sind.

Eine alte Fabrik, die auch als Modeoutlet nicht wirklich überleben konnte. An der Via Emilia.